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[Umfrage] Start einer neuen Umfrage durch den UBSKM

Start einer neuen Umfrage durch den UBSKM

07.08.2016: netzwerkB
Von Axel Mewes

Der UBSKM kündigte am 3. August den Start einer neuen Umfrage an, um Informationen zu den Erwartungen, Vorbehalten und Bedenken der Betroffenen von sexuellem Missbrauch einzuholen.

Mit einem recht umfangreichen Fragebogen versucht der UBSKM die Arbeit der „Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs“ zu flankieren. Dabei geht es darum, zu erfragen, was die Betroffenen über die Kommission, die sich da für sie einzusetzen bemüht, denken. Ebenso wird die Antwort danach gesucht, was die Betroffenen von dem Projekt mit dem Titel „Aufarbeitung“ halten.

Der erarbeitete Fragebogen, der den Betroffenen nun vorgelegt wird, ist umfangreich und – themenbedingt – tiefgehend in den Fragen.

Die einleitenden Erklärungen des Fragebogens erscheinen in ihrer Zielsetzung allerdings mehrfach unklar. „Sie (die Initiatoren) wollen zuhören, damit sich für Betroffene und Kinder heute und in Zukunft etwas verändert.“ Und die Arbeit der Kommission „soll zu politischen Konsequenzen führen.“

Leider wird nicht gesagt, was genau sich dadurch verändern soll und welche politischen Konsequenzen durch dieses Projekt angestrebt werden.

Irritierend wirkt der Hinweis, dass der Fragebogen das Ziel verfolgt, den Betroffenen hinterher sagen zu können, welche Erwartungen nicht erfüllt werden können. Das wäre sicher auch ohne Fragebogen jetzt schon klarstellbar. Auch entkräftet dies sehr die beiden oben benannten Aspekte, dass sich „etwas“ verändern und zu „politischen Konsequenzen“ führen soll.

Auch widersprüchlich ist die Aussage, möglichst viele Betroffene erreichen zu wollen. Gleich darauf heißt es, dass man „leider nur eine begrenzte Anzahl von Betroffenen anhören kann und „nur eine begrenzte Zeit für (die Studien-) Arbeit zur Verfügung steht.“

Die Kommission möchte die Betroffenen „als Expertin bzw. Experte für Ihre Erfahrungen und Ihre Lebenssituation“ verstanden wissen und sich in dieser Haltung an sie wenden, was im Zuge der Unklarheiten als übertrieben verstanden werden könnte.

Weiter heißt es, „es soll aufgedeckt werden, wodurch es möglich wird, dass sexueller Missbrauch in Kindheit und Jugend so häufig ist, und es soll geklärt werden, warum der sexuelle Missbrauch oft verschwiegen und den Betroffenen nicht geholfen wird und Aufarbeitung in der Vergangenheit verhindert wurde.“

Diese Haltung wurde schon früher von mehreren Seiten kritisiert, die eine Aufdeckung ohne Einbeziehung von Tätern und Mitwissern als unmöglich ansehen.

Die Art von Fragestellung und der vorgegebene Antwortmodus ist insofern kritisch, da die Antwort in drei Kategorien eingeengt wird, wobei die dritte („Das kann ich nicht einschätzen“) einem „weiß nicht!“ entsprechend anzusehen ist und die anderen beiden schlicht „ja“ und „nein“ als mögliche Antworten vorsehen. Zur Erweiterung sind zwar noch offene Fragen an einigen Stellen platziert, aber damit kann die eingeschlagene Einengung kaum ausgeglichen werden.

Antwortkategorien:

  Ja, erreichbar
  Nein, nicht erreichbar
  Das kann ich nicht einschätzen

Die Vorgehensweise mit diesem Fragebogen, wirkt wie darauf angelegt, jene Betroffenen dazu bringen, an der Umfrage und dem ganzen Projekt teilzunehmen, indem es bei Ihnen Hoffnungen weckt, z.B. auf politische Veränderungen und/oder persönliche Erleichterungen. Es scheint aber eher so zu sein, dass dieser Fragebogen eine Sicherheit für die Kommission erbringen soll, hinterher, nach einer als nicht unwahrscheinlich anzunehmenden Enttäuschung der Hoffnungen, sagen zu können, dass man dies ja ehrlich angekündigt und im Blick gehabt habe.

Ob es nun um eine Verbesserung für die Betroffenen geht oder doch nur um den Erfolg dieses Projektes und der Kommission, bleibt in Frage zu stellen, denn für die Betroffenen wird nichts Konkretes erbracht, bzw. liegt dies völlig im Unklaren, was es denn bringen könnte. Nur, was es nicht erbringen wird, scheint schon klar zu sein, wird aber nicht gesagt.

Zur Umfrage - Quelle des Artikels

Offener Brief der Opferorganisation netzwerkB
Veröffentlicht am 4. November 2016

Mit einem Offenen Brief wandte sich heute die Opfervereinigung netzwerkB an den Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM).

Die TP Presseagentur dokumentiert diesen Offenen Brief:

„Sehr geehrte Mitglieder der Aufarbeitungskommission des UBSKM,

netzwerkB möchte an Sie mit diesem offenen Brief appellieren, die Aufarbeitung eines vollständig dokumentierten Falles wahrzunehmen.

Sie sind am 26. Januar 2016 zur Aufarbeitungskommission berufen worden.

Eine solche Kommission erweckt Erwartungen und vor allem Hoffnungen bei Betroffenen von sexualisierter Gewalt. Ihre Kommission könnte eine gesellschaftliche Chance sein, die begangenen Verbrechen – soweit dies noch möglich ist – aufzuarbeiten, um dann die entsprechenden strukturellen Veränderungen vorzunehmen. Denn genau das sollte das Zielsein: Den nächsten Generationen von Kindern solch ein, das Leben zerstörendes Leid so weit als möglich zu ersparen.

Doch wie wir jetzt feststellen konnten und Sie selbst beschreiben, führen Sie als Kommission, die mit der Aufgabe betraut ist, Fälle sexualisierter Gewalt aufzuarbeiten, lediglich Anhörungen durch, in denen Betroffene ihre Erlebnisse erzählen können.

Uns ist bekannt, dass viele Betroffene sexualisierter Gewalt keinen ‚Fall‘ haben, sondern nur ihre (manchmal bruchstückhaften) Erinnerungen, die aber weder juristisch noch anderweitig aufgearbeitet werden können – unabhängig von eventuellen Verjährungsfristen – da es für die Gewalttaten weder Zeugen noch Beweise gibt.

Am 18. Juli 2016 kontaktierte netzwerkB Herrn Prof. Briken, Mitglied der Kommission. Wir berichteten Ihnen schriftlich über einen uns bekannten Fall, der durchgehend dokumentiert ist, konkrete Ereignisse mit identifizierten Tätern mit Namen und Adressen aufweist und in dem noch dazu schriftliche Geständnisse beider Täter vorliegen. Darüberhinaus existiert ein dokumentierter Briefwechsel mit der Institution, die so tief in den Fall verstrickt ist, dass sie sogar ein Entschädigungsgeld gezahlt hat. Wir fragten bei Ihnen an, diesen konkreten Fall aufzunehmen und gemeinsam mit uns aufzuarbeiten.

Eine Aufarbeitung eines konkreten Falles hätte eine starke symbolische Wirkung für Betroffene.

Der dem Initialbrief vom 18. Juli folgende Austausch zwischen Frau Prof. Andresen, der Leiterin der Aufarbeitungskommission, dem Sekretariat Frau Fasholt, und dem Vorsitzenden von netzwerkB, Herrn Norbert Denef, gleicht allerdings eher einer Realsatire, als dass es den Willen der Aufarbeitungskommission, auch wirklich aufzuarbeiten, demonstriert.

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Inzwischen sind Monate vergangen, in denen hin- und her gemailt wurde, von Seiten der Kommission auch mal mit Verzögerungen bis zu drei Wochen.

In dieser langen Zeit ließ man uns lediglich wissen, dass die Anhörungen von Betroffenen im September starteten.

Frau Prof. Andresen bot uns einen Termin für ein Gespräch am 8. November an.

Sie deutete an, dass die Kommission keine wirklichen Kompetenzen habe, die Täterinstitutionen in die Aufarbeitung mit einzubeziehen. Aber genau das ist doch aus unserer Sicht ein wichtiger Schritt, bei jeglicher Form der Aufarbeitung von kriminellen Taten, die in die Tiefe der Gesellschaft hineindringen.

Auf unsere Frage, ob es denn überhaupt Konzepte zur Aufarbeitung gäbe, hieß es, das dies im Gespräch am 8. November 2016 besprochen würde.

In unserem vorliegenden vollständig dokumentierten Fall sollte es doch möglich sein, vorab konkretere Arbeitsschritte zu planen, um dann bei einem ersten Treffen gleich mit der konkreten Arbeit starten zu können.

Wir nahmen letztlich den Termin an, intendierten aber, das Gespräch von netzwerkB-tv aufzeichnen zu lassen, da netzwerkB in seiner Arbeit Transparenz gegenüber seinen Mitgliedern und Unterstützern für wichtig erachtet.

Die Antwort des Sekretariats Frau Fasholt lautete: Termin: Ja, Aufzeichnung: Nein.

So, wie es sich im Moment darstellt, erscheint uns die Aufarbeitungskommission eher als eine Farce, bei der sich die Kommissionsmitglieder hinter verschlossenen Türen individuelle Erlebnisse von Betroffenen erzählen lassen.

Wir denken, dass das gesellschaftliche Schweigen um sexualisierte Gewalt nicht mit ‚Anhörungen im Verborgenen‘ aufgebrochen werden kann.

Unter solchen Voraussetzungen können wir den Termin am 8. November 2016 nicht wahrnehmen.

Wir sind verantwortlich gegenüber unseren Mitgliedern und Unterstützern, wie wir die Ressourcen unseres Vereins einsetzen. Ein Treffen, nur um ‚Geschichten zu erzählen‘ und ‚zu reden‘, rechtfertigt unsere Ausgaben dafür nicht.

Unser Appell an Sie: Lassen Sie uns gemeinsam im Vorfeld ein klares Konzept zur Aufarbeitung erstellen – über Emails und Telefonkonferenzen – so dass dann ein erstes Treffen mit Vertretern von netzwerkB und Ihrer Kommission als ein wirkliches Arbeitstreffen durchgeführt werden kann.

Die Aufarbeitungskommission ist eine historische Chance, wirklich konkret etwas dafür zu tun, dass zukünftige Generationen von Kindern vor sexualisierter Gewalt geschützt werden können.

Mit ‚Geschichten anhören‘ und ‚Empfehlungen an die Politik‘ werden Sie dieser Aufgabe nicht gerecht.

Lassen Sie uns gemeinsam die einmalige Chance nutzen, um Bewegung in diesen schwierigen Prozess zu bringen.


Freundliche Grüße

Ihr netzwerkB Team“

Quelle :
http://tp-presseagentur.de/offener-brief-der-opferorganisation-netzwerkb/

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